Vorhandensein einer künstlichen Herzklappe

Synonyme
ICD-Code

Zustand nach Herzklappenersatz
Z95.2

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Erfahrungsbericht: Mein Leben mit Blutverdünnern (Marcumar)
Vor 26 Jahren erkrankte ich an einer Endokarditis so schwer, dass es notwendig wurde, in einer mehrstündigen Herzoperation, die Aorten- und Mitralklappe am Herz gegen künstliche Implantate auszutauschen. Damals war ich 25 Jahre alt und muss seit dieser Zeit mit dem Blutverdünner Marcumar (Handelsname für Phenprocoumon) leben. Die ersten Jahre nach der Operation wurde mein INR-Wert aller 2-3 Wochen von meinem Hausarzt getestet und durch ihn die Dosis entsprechend festgesetzt. Eigentlich machte ich mir über den Gerinnungswert nur wenig Sorgen, ich wusste natürlich, dass ich bei bestimmten Lebensmitteln vorsichtig sein musste, dass Alkohol sich auf die Gerinnung auswirkt und dass auch kleinere Verletzungen sehr lange nachbluten können, dennoch verdrängte ich im normalen Alltag das Problem rund um meine künstlichen Klappen, die Behandlung mit Marcumar und die damit einhergehenden Risiken. So gut es ging, vermied ich Spinat, Leber, Bokkoli und andere Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Vitamin K, verzichtete auf übermäßigen Alkoholkonsum und verließ mich auf die Bluttests bei meinem Hausarzt.

Das ging alles wunderbar gut, doch vor 10 Jahren passierte es dann. Eines Abends beim Fernsehen, in völliger Ruhe erblindete mit einem Schlag mein rechtes Auge. Ich konnte es zunächst gar nicht fassen, glaubte an alles Mögliche und dachte das wird schon wieder, doch es wurde nichts. Ich ließ mich zur Augenklinik fahren. Dort wurde sofort mein Auge untersucht und schnell war klar, was passiert ist. Ein Verschluss der zentralen Arterie des Auges durch ein Blutgerinnsel war die Ursache für das Erblinden. Die Ärzte behielten mich für ein paar Tage in der Klinik, untersuchten mich in Bezug auf weitere Thrombosen und machten mir klar, dass mein Auge nicht wieder besser werden würde. Den Rat bei der Entlassung aus der Augenklinik, in Zukunft meinen Gerinnungswert und die Dosis des Blutverdünners selbst zu bestimmen, nahm ich sehr ernst und vereinbarte einen Termin zur Schulung des Gerinnungs-Selbstmanagements. Doch ehe es dazu kam, ereilte mich der nächste Schicksalsschlag.

Wieder völlig aus dem Nichts, kam er, ein stechender Schmerz in der Brust, eine nicht aufhörende Todesangst und Atemnot. Ein Infarkt! Gott sei es gedankt, ich hab überlebt. Meine Frau rief den Notarzt, der war schnell vor Ort und so wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Ich konnte wieder stabilisiert werden und mir wurde eine Anschlussheilbehandlung verordnet. Während dieser Maßnahme nahm ich dann an der Schulung zum Gerinnungs-Selbstmanagement teil, lernte mit dem Messgerät und den dazugehörigen Teststreifen umzugehen und gewann schnell ein hohes Vertrauen zu diesem System. Seit der einseitigen Erblindung und dem erlebten Herzinfarkt nehme ich den Gerinnungswert meines Blutes nun noch sehr viel ernster, ich teste mindestens einmal in der Woche den Wert und passe die Dosis an. Idealerweise sollte mein INR-Wert bei circa 3,0 liegen. Das klappt auch so weit ganz gut. Ich achte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung, dabei kommt mir zupass, dass ich die mediterrane Küche liebe.
Je ausgewogener die Ernährung und das Leben insgesamt sich darstellt, desto konstanter ist bei mir der INR-Wert. Ausgewogen heißt dabei nicht Verzicht, sondern es heißt abwechslungsreich. Mittlerweile klappt das schon so gut, dass ich kaum Anpassungen vornehmen muss und mein Zielbereich fast immer erreiche. Ansonsten fühle ich mich kaum eingeschränkt. Es ist eigentlich so einfach wie das Messen von Blutzucker. Seitdem ich meinen INR-Wert selbst messe und die Dosis anpasse, fühle ich mich viel sicherer und habe auch auf Reisen ein gutes Gefühl. Selbstverständlich informiere ich die Ärzte vor Eingriffen, insbesondere bei Eingriffen vom Zahnarzt über die Einnahme von Marcumar, aber das versteht sich ja von selbst. In größeren Abständen überprüft mein Hausarzt dann zusätzlich meine Werte, was für mich eine weitere Sicherheit darstellt. Ich fühl mich wieder gut.
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