Abhängigkeitssyndrom

Synonyme
ICD-Code

Alkoholkrankheit, Alkoholabhängigkeit
F10.2

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Kein Alkohol ist auch keine Lösung - oder? - Erfahrungsbericht Alkoholabhängigkeit
Hallo, mein Name ist Alexander, ich bin 35 Jahre alt, seit etwa 15 Jahren arbeitslos - und ich bin nach Meinung meiner Familie und der Angehörigen alkoholkrank. Ich selber sehe das völlig anders. Denn ich trinke nicht, weiß ich "muss", sondern weil es mir schmeckt. Ich greife auch nicht wahllos nach alkoholischen Getränken, ich konsumiere ausschließlich Bier. Begonnen hat alles mit etwa 14 Jahren, als ich mal sporadisch zum Bier gegriffen habe - es war ja immer verfügbar, da auch mein Vater dem Gerstensaft nicht abgeneigt war. Im Laufe der Jahre wurde das Verlangen nach dem "Genuss" immer größer, was natürlich nicht ohne Folgen blieb.

Zunächst verlor ich meinen Job, da ich mehrmals beim Bierkonsum während der Arbeitszeit erwischt worden war. Aber ich hatte noch Ziele im Leben - ich wollte den Führerschein machen und mir ein Auto anschaffen. Und ich wollte mich im Transportgewerbe selbstständig machen. Dafür habe ich eine ganze Weile auf Alkohol verzichtet und konnte so beide Ziele in die Tat umsetzen. Na gut, so ganz verzichtet habe ich auch in der Zeit nicht und mir hin und wieder ein Bierchen - oder auch mehr - zum Abendbrot gegönnt. Aber alles lief gut. Ich lernte eine nette Frau kennen, gemeinsam bekamen wir zwei Kinder. Aber die Partnerschaft ging in die Brüche, der Kontakt zu den Kindern brach schnell ganz ab. Meine Ex schob es auf den Alkohol, ich denke aber, sie hatte bereits einen "Neuen". Die Konsequenz daraus war, dass aus dem Feierabendbierchen wieder mehr wurde und ich trank auch tagsüber wieder - nicht, weil ich musste, sondern weil es ein Genuss war und mir ein gutes Gefühl in all dem Elend vermittelte. Auch meine kleine Firma ging den Bach runter und seit dem bin ich arbeitslos. Aber es kam noch schlimmer: ich verlor nach einem selbstverschuldeten Verkehrsunfall meine Fahrerlaubnis, mein Auto war Schrott und noch nicht ganz bezahlt. Was blieb waren Schulden, da ich die Raten nicht mehr bezahlen konnte. Aber mein geliebtes Bierchen half mir darüber hinweg und machte mich leichtsinnig. Ich wurde ein zweites Mal unter Alkoholeinfluss am Steuer erwischt, dieses Mal auch noch ohne Führerschein. Es folgte eine Geldstrafe, die ich dank meiner Familie bezahlen konnte und mir wurde eine lange Sperre bis zur Rückerlangung meines Führerscheines auferlegt.

Die Zeit verging im gewohnten Trott, ohne Arbeit aber mit Bierkonsum. Trotzdem reifte irgendwann der Wunsch, mit mittlerweile knapp 30 Jahren, den Führerschein zurück zu erlangen. Ein Gespräch beim Straßenverkehrsamt ergab jedoch, dass ich nach zweimaligen Führerscheinentzug wegen Alkoholvergehens eine Bewährungszeit ohne Alkohol überstehen muss. Diese Bewährungszeit sollte zwölf Monate andauern, mit unangekündigten Kontrollen während dieser Zeit. Das schaffe ich doch locker, sagte ich mir und verzichtete auf den Bierkonsum - schließlich bin ich ja nicht alkoholkrank. Aber bereits nach einigen Wochen warf ich meine Pläne wieder über Bord und griff bei einer Geburtstagsfeier doch wieder zu meinem geliebten Bier. Und seit dem trinke ich auch wieder regel- und nach Meinung von Bekannten sogar übermäßig. Zwischenzeitlich zeigen sich auch gesundheitliche Probleme wie Schlafstörungen, Magenbeschwerden und manchmal Schwindelgefühle. Auf Druck der ARGE, für die ich in diesem Zustand nicht vermittelbar war, musste ich einen Amtsarzt aufsuchen. Dieser sollte meinen Beschwerden auf den Grund gehen. Er sprach mich sofort auf meinen Alkoholkonsum an, ich gab aber an, das im Griff zu haben. Trotzdem musste ich bei einer Psychologin vorstellig werden, die mir sofort ein Alkoholproblem unterstellte und mir den Rat gab, mich für eine Entziehungskur einweisen zu lassen. Das hatte zur Folge, dass es mir schlagartig wieder besser ging - ist doch ein Witz, dachte ich, ich und alkoholkrank... mittlerweile bin ich wieder bei meinem Hausarzt in Behandlung und krankgeschrieben. Sein Rat: "Alexander, höre auf zu Saufen...". So habe ich Zeit ohne Ende, bin arbeitstechnisch weiter nicht vermittelbar und spüle meinen Frust, der immer häufiger in mir hochkommt, mit zehn bis fünfzehn Flaschen Bier pro Tag runter. Eine Behandlung mit Medikamenten erfolgt nicht - schließlich bin ich ja nicht alkoholkrank und kann ja jederzeit aufhören. Meine Prognose für die Zukunft? Ich sage mal so: Life goes on... bis zum bitteren Ende - wie auch immer das aussehen mag.

P.S.: diesen Text hat ein Bekannter für mich geschrieben, da ich mich selber nicht so ausdrücken kann - ich fungierte dabei als Stichwortgeber.
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