Lichen ruber planus

Synonyme
ICD-Code

Oraler Lichen planus, OLP
L43.-

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Erfahrungsbericht: Oraler Lichen planus
Seit drei Jahren leide ich an einer Krankheit mit dem seltsamen Namen oraler Lichen planus.

Zunächst bemerkte ich im Mund seltsame kleine Knötchen. Sie befanden sich an beiden Wangen. Zunächst störte das nicht weiter, aber nach einiger Zeit begannen sie zu brennen, wenn ich saure oder scharfe Speisen zu mir nahm. Bei einer Routineuntersuchung zeigte ich sie meinem Zahnarzt. Dieser nahm zunächst an, dass ich mir öfter beim Kauen auf die Wange beißen würde oder meine Schleimhaut einfach scharfe und saure Speisen nicht verträgt. Es könnte natürlich auch eine Allergie sein und ich sollte das beobachten. So beobachtete ich also und stellte fest, dass keine Besserung eintrat. Mein Zahnarzt diagnostizierte dann, dass es eine entzündliche Veränderung an den Schleimhäuten der Wangen gab und meinte, dass diese durch verschiedene Bakterien hervorgerufen sein könnten. So machte er eine professionelle Zahnreinigung und verschrieb mir antibiotische Spüllösungen, später ein Antibiotikum in Tablettenform. Über ein Jahr war vergangen und nichts half.

Nun äußerte mein Zahnarzt das erste Mal die Vermutung, dass es sich auch um einen oralen Lichen planus (OLP) handeln könnte und überwies mich an einen Kollegen, der auf Parodontologie spezialisiert war. Hier wurde ich zunächst danach befragt, ob und welche Medikamente ich einnehme. Wegen eines erhöhten Blutdrucks bekam ich seit fünf Jahren Betablocker. Er erklärte mir, dass diese durchaus Auslöser für den oralen Lichen planus sein können. Es würde sich bei dieser Krankheit um eine Autoimmunerkrankung handeln, ähnlich wie die Schuppenflechte. Dabei würde eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die T-Lymphozyten, aus nicht bekannter Ursache in die Haut einwandern und dort Entzündungsreaktionen auslösen. Er erklärte mir ebenfalls, dass es nicht nur Medikamente sind, die als Ursache in Frage kommen, sondern auch bestimmte Grunderkrankungen wie Hepatitis C oder es auch psychosomatische Zusammenhänge geben könnte. Gut, Stress hatte ich in der letzten Zeit wirklich viel und oft genug Situationen, bei denen ich nicht wusste, wie es weitergeht. Das war wohl auch ein Grund meines erhöhten Blutdrucks. Da waren also schon zwei Übeltäter, die in Frage kamen, die psychosomatische Reaktion und die Betablocker. Doch beweisen kann man das wohl nicht. Die Ursachen werden immer noch sehr kontrovers diskutiert.

Zunächst bekam ich wieder eine Überweisung, diesmal in die Universitätsklinik Halle. Dort wurde mir unter Lokalanästhesie eine kleine Hautprobe entnommen und zur Diagnose in ein Labor geschickt. Die Diagnose bestätigte sich, ich hatte oralen Lichen planus.

Was bedeutete das nun für mich? Zunächst einmal bekam ich eine sogenannte Takrolismus-Salbe (Protopic), die ich auf die entzündeten Stellen auftragen musste. Das geschah in den ersten sechs Monaten zweimal täglich und wurde danach in den nächsten sechs Monaten auf einmal täglich reduziert. Die Nebenwirkungen sind nicht unbedeutend. Ähnlich wie bei Kortisonpräparaten können sie die Schleimhaut weiter schädigen, was dann zu Besiedelung mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten führt und weitere Entzündungsreaktionen auslöst. Aber auch andere Nebenwirkungen treten nicht selten auf, so z.B. eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels, Nierenschäden, Anstieg des Blutdrucks und allgemeine Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Nach einem Jahr war Schluss mit der Therapie. Es ging mir sehr viel besser, was bis heute anhält. Dennoch weiß ich, dass es keine endgültige Heilung gibt und ich für immer damit leben muss, dass die Krankheit jederzeit wieder ausbricht.
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