Nierenstein

Synonyme
ICD-Code

keine
N20.0

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Mein Leben mit Nierensteinen - von den 60ern bis heute - Schmerzen, Steinzertrümmerung und Operation
Ich litt seit frühster Kindheit an der Bildung von Nierensteinen. Ich galt als besonders weinerliches Kind, war, so die gängige Meinung aller Verwandten, „zu nah am Wasser gebaut“. Als ich 7 Jahre alt war, klärte der Hausarzt meine Eltern darüber auf, dass es wohl doch etwas Ernstes sei und schickte mich ins Krankenhaus.

Das war Ende der 1960er Jahre. Damals war es in Krankenhäusern üblich, die Mutter nicht zum Kind zu lassen. Ich hatte ein Telefonapparat am Bett und Mutter stand hinter einer Glasfront – wie im Gefängnis in einigen Filmen, nur nicht so nah – und durfte für 10 Minuten mit mir sprechen. Geschwister durften erst gar nicht ins Gebäude.

So war ich in regelmäßigen Abständen von 2 Jahren für 4 bis 6 Wochen von der Familie getrennt. Das einzig Angenehme daran war, dass die Schmerzen nachließen. Man kann sich denken, dass ich wenig Interesse daran hatte, wie diese Magie zustande kam. Doch ist mir Buscopan ein Begriff. Die krampflösende Wirkung war das, was mich bei Koliken ins Krankenhaus gehen ließ. Nichts, wirklich gar nichts auf der Welt, ist schöner, als wenn der Schmerz nachlässt!

Verfahren

Über die Jahre hab ich den Wandel der Technik erlebt. Narben an der Flanke deuten darauf hin, dass in der Kindheit schon eine Nierenfistel angelegt wurde. Daran hab ich keine Erlebnis-Erinnerung. Aus der Zeit sind mir hauptsächlich unmenschlich große Tabletten, die ich irgendwie schlucken musste, in Erinnerung.

Was mich immer begleitete, war die Anordnung, so oft es nur irgend ginge, im Treppenhaus zu laufen. Ich sollte ganz nach oben gehen und dann in den Keller hüpfen, damit die Steine sich lösen. Das war das übliche Prozedere nach der Steinzertrümmerung. In jungen Jahren, ich meine so um die 1970er, -80er Jahre, war es üblich, mich in eine riesige Wanne mit Wasser zu hängen, in der ich mich unter Androhung übelster Schrecken nicht bewegen durfte. Das war ein Lithotripter.

Hoch erfreut war ich, als mich die Ärzte eines Tages auf die Liege baten. Ein Stoßwellenzertrümmerer, der die Krankheit aus meiner Sicht schon fast komfortabel erscheinen ließ. Ich meine, das müsste so in den 1990ern gewesen sein.

Stands zwischen Niere und Blase hatte ich auch immer mal wieder. Die verkalkten aber recht schnell, sodass man von dieser Technik abließ.

Diäten

Da es sich um Oxalatsteine handelte, wurde mir geraten, Lebensmittel mit Oxalsäure (Schokolade, Spinat, Rote Beete, ...) zu meiden. Bei Magnesiumoxalatsteinen sollte ich zusätzlich dementsprechende Lebensmittel meiden. Als sich Kalziumoxalatsteine bildeten, wurde es ernst:

Nun sollte ich auf Dinge wie Milch und Milchprodukte verzichten. Und ich war schwanger. Das konnte natürlich nicht gut gehen. Das Kind zog seinen Bedarf nun aus meiner Knochensubstanz. Ich brach mir beispielsweise beim Schreiben einen Finger. Das war also auch keine Lösung.

Später räumten die Urologen ein, dass die Diätpläne „Fehler der Zeit“ waren. Man hat inzwischen herausgefunden, dass der Körper selbst Oxalsäure bildet, der Verzicht war also – zumindest in meinem Fall – sehr unnütz.

Entfernung

In den frühen 2000ern hat man sich sehr ausführlich mit mir beschäftigt. In einem Krankenhaus-Aufenthalt von ca. 9 Monaten wurden nicht nur Steine und Grieß entfernt. Mittels einer Liege, auf der ich auf den Kopf gedreht werden konnte, haben wir augenscheinlich auch die letzten staubfeinen Ablagerungen aus dem Nierensystem entfernt.

Da ich nun keine Koliken mehr bekam, war ich lange Zeit nicht mehr in einer Klinik. Etliche Jahre später fand sich auf einem Röntgenbild ein Auskleidestein von beachtlicher Größe. Dem war mit Stoßwellen nicht mehr beizukommen. Ich beschloss, mit meinem Stein alt zu werden. Im letzten Jahr jedoch öffnete sich der Gang der alten Nierenfistel-Narbe und Eiter trat aus. Ich ließ die tote Niere entfernen.
Das ist ja ein sehr interessanter Bericht auch über die Geschichte der Behandlung von Nierensteinen. Im Grunde kann man nur dankbar sein wie sich die Medizin in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Ich hatte auch mal eine schmerzhafte Erfahrung mit Nierensteinen aber in keinster Weise vergleichbar mit Ihrer Odyssee durch die Behandlungsmethoden der jeweiligen Zeit.
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