Erfahrungsbericht "Tinnitus" und Verspannungen am Nacken

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ICD-Code

Hörminderung, Ohrgeräusche, Tinnitus, Physiotherapie, Chi Gong, Verspannung, Nacken, Erfahrungsbericht
H93.1

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich mit einem stark verkanteten Hals und entsprechenden Schmerzen auf der rechten Halsseite aufwachte. Ich konnte meinen Kopf damals kaum zur Mitte hin bewegen und musste meine Nackenmuskeln zwei Tage lang mit Wärmebehandlungen und Salben wieder beweglich machen. Zudem bemerkte ich, dass mein rechtes Ohr plötzlich in dissonanten Tönen zischte und pfiff.

Ich suchte einen HNO-Arzt auf und schilderte ihm meine Beschwerden. Er untersuchte meine Ohren, fand aber nichts. Meine Hinweise in Richtung auf einen verkanteten Halsmuskel ignorierte er. Daraufhin suchte ich einen anderen HNO-Spezialisten auf, der ähnliches Desinteresse zeigte. Der dritte HNO-Arzt, den ich im Laufe der nächsten Jahre aufsuchte, verschrieb mir Hörgeräte. Offensichtlich hatte ich tatsächlich eine Hörminderung. Das konnte ich anhand meiner ständigen Nachfragen an Menschen, die ich nicht verstanden hatte, nachvollziehen. Was mich aber störte, war der Umstand, dass erneut mein rechtsseitiger Tinnitus keine Rolle spielte.

Ich hatte mir mittlerweile einiges an Wissen über diese Störung angelesen. Außerdem hatte ich festgestellt, dass meine Ohrgeräusche manchmal stärker und manchmal etwas schwächer zu sein schienen. Ich ging zu einem Orthopäden. Das Ende vom Lied war, dass der fähige Mediziner mich von Kopf bis Fuß untersuchte und mit einer Doppelseite voller diagnostischer Termini zum Schmerztherapeuten an einer Kieler Klinik schickte.

Der Schmerzhterapeut legte mir einen Fragebogen über meine Schmerzproblematik vor. Ich fand alle Fragen manipulativ in Richtung auf seelische Probleme. Außerdem konnte man nur eine zusammenfassende Schmerzbewertung auf einer Skala von eins bis zehn vornehmen, statt einzelne Schmerzorte differenziert zu bewerten. Der Schmerztherapeut untersuchte mich nach dem Überfliegen des akkurat ausgefüllten Fragebogens kurz. Er verordnete ein Epilepsiemittel namens "Lyrica". Ich las die Begleitzettel zum Präparat sorgfältig durch und konnte anhand der aufgelisteten Nebenwirkungen erkennen, dass dieses Präparat mich arbeitsunfähig machen würde. Daher sprach ich darüber mit einer Bekannten, die dieses Präparat einnahm. Sie berichtete mir, sie fühle sich ständig benebelt und stockbetrunken und habe es deswegen nach sechs Wochen absetzen müssen. Meine Recherche im Internet ergab ähnliche Berichte zahlreicher anderer Patienten.

Mein Tinnitus hatte es sich mittlerweile bequem gemacht. Meine Debatten mit dem Schmerztherapeuten über ähnliche Hammer-Präparate endeten damit, dass ich mich durchsetzen konnte - und zwar wegen einer Fettleber-Diagnose. Diese kam mir zuhilfe, damit ich statt Hammer-Präparate, die eigentlich für Epileptiker oder depressive Patienten verordnet werden sollen, endlich regelmäßige Physiotherapie-Rezepte bekam.

Zudem meldete ich mich bei einem Chi Gong Kurs an. Ich hatte bemerkt, dass meine Tinnitus-Beschwerden sich leicht besserten, wenn ich es schaffte, mich vollkommen zu entspannen. Aus meiner Sicht waren die Ursachen für die Tinnitus-Beschwerden in chronischen Verspannungen zu suchen, die mich seit Jahren quälten. Man hätte gleich zu beginn etwas dagegen unternehmen können. Stattdessen sind 5 Jahre (!!) ins Land gegangen, bevor ich endlich Physiotherapie für meine Nacken-Schulter-Probleme bekam.

Hin und wieder erlebe ich bei einer Chi Gong Stunde, dass mein Tinnitus plötzlich schweigt. Die Stille ist überwältigend. Er ist am nächsten Morgen aber wieder da. Ich habe bereits mehrfach ein neues Kopfkissen gekauft - aber der Tinnitus kommt immer wieder. Außerdem habe ich vom Zahnarzt eine Aufbissschiene erhalten, um dem nächtlichen Zähneknirschen etwas entgegen zu setzen. Das änderte aber am Tinnitus-Problem gar nichts.

Die Ursache meiner chronischen Nackenverspannungen ist einerseits in abgenutzten Nackenwirbeln zu suchen, andererseits in beruflichen Gegebenheiten. Ich bin Texterin und arbeite am PC. Nachdem ich vier Physiotherapeuten erlebt habe, habe ich endlich einen gefunden, der meine Nackenverspannungen lindert. Meinen Tinnitus hat das nicht an seinem etablierten Dasein gehindert - aber vier-, fünfmal im Laufe einer tief gehenden Massagebehandlung ging er plötzlich weg. Damit ist aus meiner Sicht erneut nachgewiesen, dass starke berufsbedingte Verspannungen die Ursache sind. Diese hätten zeitnah behandelt werden können.