Erfahrungsbericht: Meine Depression und Behandlung mit Citalopram

Vor 17 Jahren war ich wegen chronischer Erschöpfung, Kopfschmerzen, permanenter Traurigkeit und Antriebslosigkeit bei mehreren Ärzten, die mir nicht helfen konnten. Ich wurde nur auf körperliche Symptome untersucht. Doch man fand keine physischen Erkrankungen.

Diagnose und Medikation
Als Monate später ein Neurologe nach eingehender Untersuchung Depressionen diagnostizierte, wurden mir als Therapie Medikamente und eine ambulante Psychotherapie verordnet. Zunächst verschrieb der Arzt das Antidepressivum Zoloft 100, das ich jedoch nicht gut vertrug. Ich litt häufig unter Durchfällen, hatte kaum Appetit.

Nach Rücksprache mit meinem Arzt setzte ich Zoloft schließlich schrittweise ab und erhielt Citalopram 40 mg. Nach einigen Tagen war ich enttäuscht, da sich noch keine Besserung zeigte. Im Gegenteil. Ich war in meinem schwarzen Loch gefangen, ohne jegliche Lebensfreude.
Doch nach etwa drei Wochen zeigte die Einnahme von Citalopram Wirkung. Als Erstes bemerkte ich, dass ich mehr Antrieb hatte. Während mir sonst sogar das Aufstehen, das Duschen und Ankleiden schwer fielen, kam ich plötzlich leichter aus dem Bett und hatte bald wieder Lust, mich schick zu machen. Auch meine Stimmungslage besserte sich. Citalopram half mir relativ schnell, den akuten Zustand zu stabilisieren. Erst dann konnte ich eine Psychotherapie beginnen. Ohne die Wirkung von Citalopram hätte ich weder die Kraft noch den Mut aufgebracht, um einen Therapeuten aufzusuchen, da ich mich wegen unbegründeter Ängste kaum aus dem Haus wagte.

Nachdem ich Citalopram einige Monate eingenommen hatte, waren sogar meine Ängste, unter vielen Menschen zu sein, fast verschwunden. Endlich hatte ich wieder Freude, Veranstaltungen zu besuchen und mich mit Freunden zu treffen. Die häufigen "Heul-Attacken" verringerten sich merklich.

Citalopram wirkt auf den Serotoninhaushalt. Man vermutet, dass bei der Entstehung von Depressionen die freigesetzte Menge an Serotonin zu gering ist. Das Hormon Serotonin ist unter anderem für eine aufgehellte Stimmung verantwortlich. Deshalb bezeichnet man es auch als „Glückshormon“. Citalopram soll den Serotoninhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen. Bei mir hat es funktioniert. Denn Schritt für Schritt kamen Lebensfreude und Energie zurück.

Zudem machte ich mit Citalopram eine weitere interessante Erfahrung: Zu dieser Zeit litt ich unter starken Rückenschmerzen, es bestand Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall. Daher wurde eine Kernspintomografie durchgeführt, das heißt, ich musste "in die Röhre". So eine Untersuchung war für mich immer ein Alptraum. Allein die Vorstellung an die Enge erzeugte bei mir Herzrasen und Panikattacken. Bei meiner ersten Kernspintomografie wurde mir ein Beruhigungsmittel verabreicht, damit ich die Untersuchung überstand. Aber dieses Mal erlebte ich Erstaunliches. Ich war völlig entspannt, als ich in die Röhre geschoben wurde. Die Untersuchung dauerte etwa eine Viertelstunde, die ich gut überstand. Ich litt weder unter Herzrasen noch hatte ich Panik. Ich bin mir absolut sicher, dass dies an der Wirkung von Citalopram lag.

Die durch die Depressionen hervorgerufenen körperlichen Beschwerden (zum Beispiel Verspannungen, Kopfschmerzen) besserten sich ebenfalls. Nach etwa zwei Jahren reduzierte ich mit ärztlicher Erlaubnis die Dosis von 40 mg auf 20 mg. Viermal setzte ich seit der Diagnose das Medikament nach und nach ganz ab. Danach kam ich monatelang ohne Citalopram aus. Dass ich jedoch dauerhaft auf Citalopram verzichten kann, ist in meiner Situation unwahrscheinlich. Denn es gab und gibt hin und wieder äußere Umstände (Tod von Angehörigen, Partnerverlust, berufliche Probleme), die mich schnell wieder aus der Bahn werfen.
Aber inzwischen erkenne ich die ersten Anzeichen, wenn ich erneut in eine Depression abzurutschen drohe und kann Vorkehrungen treffen. Dazu gehört Citalopram, das bereits seit 2001 mein zuverlässiger Begleiter ist. Zur Zeit nehme ich täglich eine Tablette à 20 mg und fühle mich gut dabei. Ich nehme das Medikament stets zum Frühstück mit reichlich Wasser. Noch immer vertrage ich Citalopram sehr gut. Nebenwirkungen hatte und habe ich keine.