Erfahrungsbericht: Migräne, als der Schmerz mein Leben bestimmte

Gruppe: Migräne
Millionen Menschen leiden unter Migräne, verschiedenster Art. Viele kämpfen dagegen an, aber nur manche gewinnen den Kampf. Ich kann sagen, dass ich es geschafft habe, schmerzfrei oder besser „Migräne frei“ zu sein. Das Erste, was mir zu den Jahren einfällt, in denen ich fast täglich von einem wahnsinnigen Kopfschmerz, regelrecht heimgesucht wurde, ist das Wort "Kraft". Mit 15 Jahren hatte ich die ersten Anfälle...

In einem abgedunkelten Raum, abgeschirmt von Geräuschen und Gerüchen versuchte ich den Schmerz irgendwie über mich ergehen zu lassen. Oft mit starken Schmerzmitteln, manchmal tagelang, begleitet von der Unverständnis meines Umfeldes.
„Die hat wieder Kopfweh...“ hieß es in meinem Freundeskreis. Sogar mein Ehemann hatte immer seltener Verständnis, wenn ich entweder mit Schmerztabletten vollgepumpt war, oder mich stundenlang ins Bett legen musste. Die Migräne kam in einem Rhythmus, war aber Zyklus unabhängig, was die Sache nicht gerade erleichterte, wenn man Termine, Urlaub oder einfach nur ein paar entspannende Tage planen wollte. Auf schmerzfreie Tage folgte immer der unablässige Schmerz.
Eine normale Krankenkassen-Behandlung stellte sich in den ganzen Jahren eher als eine symptomatische Behandlung heraus. In der Pubertät empfahl man mir die Antibabypille, mit 22 Jahren bekam ich neben starken Schmerztabletten auch Massagen, Physiotherapie und wurde als „chronisch“ eingestuft. Spezielle Migräne-Hemmer stellten sich bei mir als wirkungsfrei heraus.
Nicht nur der Schmerz bestimmte mein Leben, sondern auch die damit verbundene Übelkeit. Natürlich wurde ich genauestens untersucht, ob ich Blutgerinnsel, einen Tumor, oder andere Ursachen für meine Schmerzen habe. Es war eine mühselige Odyssee von Neurologe zu Neurologe. Gefunden hat niemand etwas.

Migräne kostet Kraft und Lebenszeit

Mit 31 Jahren begann dann meine Familienplanung. Schmerzmittel musste ich selbstverständlich reduzieren, beziehungsweise ganz weglassen. In der Schwangerschaft begann ich mein Leben zu verändern. Ich ließ bis heute den Alkohol weg, versuchte Stress zu reduzieren und mit alternativen Möglichkeiten, mein inneres Gleichgewicht zu finden. Yoga, Meditation, Autogenes Training halfen mir, nicht gegen den Schmerz zu kämpfen, sondern mit dem Schmerz umzugehen. Eine Ernährungsumstellung nach meinem dritten Kind brachte dann die vollkommene Veränderung. Über mehrere Jahre und nach drei Schwangerschaften bemerkte ich, wie sehr mein Körper auf Nahrungsmittel reagierte. Dinge, die meinen Körper übersäuerten, schlugen sich bei mir tatsächlich in Migräne nieder. Für zu viel Histamin in Salami, Pommes Frites, Rotwein oder Käse bekam ich die sprichwörtliche Quittung schon am nächsten Tag.

Entspannung, Sport, Bewegung, sensibel und offen zu werden, für das, was mir gut tut, hat mir geholfen, meine Migräne loszuwerden. Nicht jeder Mensch hat natürlich eine Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit oder reagiert so negativ auf Histamin, mit Migräne, wie ich es tue. Wichtig ist, dass man einen Arzt findet, der über eine symptomatische Behandlung hinaus geht. Migräne-Patienten brauchen viel Kraft und haben auch nicht selten mit Depressionen zu kämpfen.
Eine nachhaltige Sensibilisierung für den eigenen Körper, viel Aufklärung über mögliche Ursachen und alternative Behandlungsmöglichkeiten, haben mir viel mehr gebracht, als sämtliche Schmerzmittel, die ich im Lauf der Jahre ausprobiert hatte.